Wer hat Angst vorm boesen Wolf by Fossum Karin

Wer hat Angst vorm boesen Wolf by Fossum Karin

Autor:Fossum, Karin [Fossum, Karin]
Die sprache: deu
Format: epub
veröffentlicht: 2013-10-31T16:00:00+00:00




»Um Punkt zwölf. Wofür ich so ungefähr zwanzig Zeugen habe. Aber ich weiß natürlich auch, daß der Mord am frühen Morgen geschehen ist. Ich könnte es also geschafft haben.«

Sein Ton war provozierend. Er hatte registriert, daß der Polizeibeamte in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden war, und nun versuchte er, sich vor einer Gefahr zu schützen, die er nicht durchschaute.

»Haben Sie ein Auto?«

»Einen alten VW-Käfer.«

»Aha«, sagte Skarre. »Hatten Sie eine enge Beziehung zu Halldis?«

»Im Grunde nicht.«

»Aber Sie haben sie besucht?«

»Nur, weil meine Mutter so rumgenervt hat. Sie wissen doch, wir sind die Erben. Aber meine wenigen Besuche bei ihr haben mir eigentlich gefallen. Man denkt wohl erst später darüber nach. Jetzt, wo sie nicht mehr da ist.«

»Dieser Tommy Rein ist Ihnen also nie begegnet?« fragte Skarre.

»Nein. Steht er unter Verdacht oder so?«

»Durchaus nicht«, erwiderte Skarre abweisend. »Das war einfach die vorletzte Frage auf meiner Liste.«

»Reine Routine?« fragte Mai.

»So in etwa.«

»Und was ist die letzte?«

»Errki Peter Johrma. Haben Sie von dem mal gehört?«

Kristoffer Mai erhob sich und schob seinen Stuhl zurück. Eine rote Strähne fiel ihm in die Stirn, als er die Brieftasche wieder in seiner Jacke verstaute. »Nein«, sagte er. »Nie.«

Errki war wach. Er drehte sich langsam auf die Seite und starrte die Wand an. Noch immer schwebte er ein wenig, dann sammelten seine Gedanken sich, und er erkannte das Zimmer wieder. Er hatte tief geschlafen. Der Revolver fiel ihm ein. Ohne je eine Waffe abgefeuert zu haben, wußte er, daß das einiges an Kraft erforderte. Den Revolver in der Hand, lief er durch die Kammer, durch die Küche und ins Wohnzimmer. Morgan schlief. Seine Locken waren feucht, seine Stirn glänzte vor Schweiß. Vielleicht bekam er wirklich eine Blutvergiftung. Das ging Errki nichts an, er registrierte es nur und fühlte sich auch nicht schuldig. Es war einfach unvermeidlich gewesen, daß er sich auf Morgan gestürzt und zugebissen hatte. Außerdem hatte er nicht darum gebeten, Morgan begleiten zu dürfen. Er war in die Stadt und durch die Straßen gegangen, weil er einen grauenhaften Traum gehabt hatte. Der ihn bis in die tiefste Seele hinein erschütterte. Zuerst hatte er versucht, vor diesem Traum wegzulaufen. Als er sich sicher fühlte, hatte er lange in einer leeren Scheune geschlafen, mit einem Sack als Kopfkissen. Als er erwachte, hatten sein Gesicht und sein Hals gejuckt. Danach war er in die Stadt gegangen. Hatte sehen müssen, daß die Welt noch da war, mit Menschen und Autos. In den asphaltierten Straßen war es noch heißer gewesen, und er war in die Bank gegangen, weil es dort Schatten und vor dem Fenster eine verlockende Sitzgruppe gab. Das war alles.

Er blieb vor dem Sofa stehen, auf dem Morgan lag, und versteckte die Waffe hinter seinem Rücken. In Gedanken zielte er und zog ab; der blonde Kopf auf dem Sofa platzte wie eine Melone, wobei sein Inhalt nach allen Seiten auseinanderspritzte. Und weg war Morgan. Von einer Sekunde zur anderen. So wie der Alte, damals, bei der Kirche.

Morgan wandt sich und wimmerte leise. Dann öffnete er die Augen.

»Du bist krank«, stellte Errki fest.



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